Kampong Cham

Die letzte Woche verbrachten wir nicht in Phnom Penh, sondern in Kampong Cham, zusammen mit einer Gruppe von Ärzten einer deutschen Hilfsorganisation. Kampong Cham hat irgendwo zwischen 50 000 und 180 000 Einwohnern und befindet sich etwa 130km nordöstlich der Hauptstadt. Unser erster Eindruck, nachdem wir aus dem Bus gestiegen waren, war der einer recht gemütlichen, überschaubaren mittelgroßen Stadt.
Im Hotel trafen wir uns wie vereinbart mit der Gruppe deutscher und französischer Ärzte. Diese Gruppe kommt zweimal pro Jahr hierher um im lokalen Krankenhaus für zwei Wochen Gaumen- und Lippenspalten und andere komplizierte Operationen durchzuführen und dabei auch den Ärzten vor Ort neue Fähigkeiten beizubringen.
Ich war besonders gespannt auf diese Woche, da ich für mich ja durchaus eine Zukunft in Richtung Entwicklungshilfe oder zumindest für eine Weile Arbeit in einem Entwicklungsland sehe. Ich wollte sehen, wie ein solcher Einsatz einer ausländischen Hilfsorganisation von innen aussieht.
Am Montag morgen wurden als erstes die Patienten für die Woche ausgesucht. Es hatte vorher Aufrufe im Radio gegeben und dementsprechend waren viele Leute aufgetaucht, die sich kostenlos von den europäischen Ärzten behandeln lassen wollten. Es gab einige Fälle, die sich sehr gut anboten, von dem Team operiert zu werden, aber auch viele Kleinigkeiten, die genauso von den hiesigen Ärzten behandelt werden könnten. Trotzdem wurden viele dieser Patienten mit kleinen Lipomen oder Atheromen aufgenommen, um die Lücken zwischen den großen OPs zu füllen. Das kam mir schon etwas seltsam vor: Warum fliegt man für € 10000 eine Gruppe von Spezialisten nach Kambodscha, die dann am Ende “Wald-und-Wiesen-Chirurgie” betreiben, die genauso gut und für den Bruchteil der Kosten von kambodschanischen Ärzten erledigt werden könnte?
Aber es waren auch viele Patienten dabei, die wirklich von den eingeflogenen Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen profitieren konnten. Vor allem handelte es sich dabei um Kinder oder Erwachsene mit Lippen- und/oder Gaumenspalten.
Nach dem etwas chaotischen und langwierigen Auswählen der Patienten gab es nachmittags gleich die ersten drei Operationen, alles eher kleinere Dinge.
Die Ausstattung im Provinzkrankenhaus von Kampong Cham ist, auch verglichen mit dem CSC in Phnom Penh, ziemlich dürftig: Der OP-Tisch war altertümlich, bei den Lampen funktionierte nur die Hälfte der Lichter, für die Anästhesie gab es eine uralte (und defekte) Maschine und keinerlei Monitoring. Zum Glück war der französische Anästhesist ein alter Hase auf dem Gebiet und hatte seine Geräte teilweise selbst dabei. Trotzdem war es insgesamt viel mehr Handarbeit als in jedem deutschen OP unter etwas fragwürdigen hygienischen Bedingungen. Das Team tat aber sein Bestes, um halbwegs ordentliche Umstände herzustellen, um die Operationen durchführen zu können.
Für uns gab es das Problem, dass sich zwei ältere Professoren und ein junger Facharzt in der Gruppe befanden, so dass es für uns eigentlich recht wenig zu tun gab, da die alten Herren am liebsten Alles selbst gemacht hätten. Dank der Beschwerde von Seiten des Facharztes änderte sich das aber recht schnell, so dass er die Spalten und wir unter seiner Aufsicht die kleinen Operationen durchführen konnten und die Professoren sich etwas zurück hielten.
Der Arbeitstag ging immer mindestens bis 17 Uhr, danach wanderten wir etwas durch den Ort und trafen uns dann mit dem Rest der Gruppe zum Abendessen. Meistens bezahlte die Gruppe bzw. die Hilfsorganisation freundlicherweise unser Essen, was aber bei den hiesigen Preisen nicht sehr ins Gewicht gefallen sein dürfte. Nach dem Essen trafen wir uns meistens noch mit dem jüngeren Arzt, den Fahrern und dem Übersetzer und tranken noch ein Bierchen.
Insgesamt hat uns die Woche in Kampong Cham sehr viel Spaß gemacht und wir haben so Einiges gelernt. Es war wirklich sehr interessant, eine ausländische Hilfsorganisation beobachten zu können und auch zu sehen, was alles (in meinen Augen) besser oder anders gemacht werden könnte. Zum Beispiel finde ich, dass die Ausbildung der hiesigen Ärzte (auch wenn sich alle Mühe gaben) immer noch zu kurz kam. Eigentlich müsste ja das Hauptziel einer solchen Aktion die Bildung lokaler Strukturen sein, damit man hier nicht auf alle Ewigkeit von ausländischen Ärzteteams abhängig ist.
Mittlerweile sind wir wieder in Phnom Penh und um eine sehr spannende Erfahrung reicher. Nächste Woche werden wir nochmals im Childrens Surgical Center verbringen, bevor wir in einer Woche mit dem Zug in Richtung thailändischer Grenze fahren - falls es den Zug noch gibt, was wir morgen versuchen werden heraus zu finden.

Fritierte VogelspinnenOperation IIOperation IPatientenauswahlOperation XIIMekong-BrückeOperation XIFruitshake-Stand IIFruchtshake-StandAbendprogrammRollstuhlKrankenhausOperation IXOperation XOperationssaalOperation VIIIReisendeNachsorgeOperation VIIPatientenzimmerOperation VOperation VIOperation IIIOperation IV

2 Reaktionen zu “Kampong Cham”

  1. Diana

    Hey ihr Zwei, euer Bericht und die Bilder sind echt beeindruckend! Ich glaube wir hier in unserem good old Germany können kaum nachvollziehen, was ihr in der einen Woche alles gesehen, erlebt und praktiziert habt?! Hochachtung Jungs!!!
    … Und das iiiihhh Bild mit den frittierten Dingern da, das war doch extra für mich, oder?!? ;-))
    Habt eine tolle letzte Woche in Phnom Penh. Liebe Grüße aus Potsdam

  2. David

    Mann, da habt ihr euch echt was entgehen lassen. Frittierte Vogelspinnen schmecken so ähnlich wie frittierte Schwarze Witwen, nur nicht so crispy und im Abgang etwas scharf.