unterwegs

Reisetagebuch Nepal von Diana und Johannes

Abschied von Nepal

(3. Juni 2008 von Johannes - Landkarte)

Bags are packed

Seit 140 Tagen sind wir jetzt in Nepal und haben nur noch eine Nacht vor uns. Oft wurden wir in letzter Zeit gefragt, was wir von Nepal halten, ob es uns hier gefällt. Am Ende dieser doch recht langen Zeit haben wir versucht ein wenig Reflexion zu betreiben und ein Fazit zu ziehen.

Auf jeden Fall kann man sagen, dass wir eine Vielfalt von Erlebnissen und Erfahrungen gemacht haben, viele schön, manche aber auch eher weniger erfreulich.

Was uns beiden sehr gut gefallen hat war (und ist) die Vielfältigkeit die Nepal zu bieten hat. Die Natur hier ist einzigartig: Die Spanne von den beeindruckenden Bergen bis zum Dschungel im Süden ist beachtlich. Wir hatten die Chance viele verschiedene Seiten des Landes zu sehen. Doch auch die kulturelle Vielfalt ist unglaublich. Vom geschichtsträchtigen Kathmandu-Tal über die Geburtsstätte Buddhas bis zu den Orten im kargen Mustang konnten wir die unterschiedlichsten Völker Nepals und ihre Lebensweisen kennen lernen.

Eine andere, sehr schöne Seite Nepals ist die Freundlichkeit seiner Menschen. Wir konnten oft erleben, wie offen, gastfreundlich, neugierig und hilfsbereit die Nepalis sind. Unser Unvermögen Nepali zu sprechen war eigentlich nie ein Problem, wir konnten uns fast immer auf Englisch unterhalten und wenn das nicht möglich war, mit Händen und Füßen kommunizieren.

Auch die Einfachheit, mit der man hier leben kann hat uns beeindruckt. Es gibt an jeder Ecke etwas zu Essen, überall befinden sich kleine Läden. “Unser” Stammladen war im Nachbarhaus und hatte immer frisches Gemüse und Brot und alles was man sonst noch so braucht (nur Schokolade nicht, dazu mussten wir ein paar Schritte weiter laufen).

Die Nachmittage auf unserer heißgeliebten Dachterasse sind auch etwas das wir nicht vergessen werden. Bei strahlendem Sonnenschein mit Zeitung und Tee den Feierabend genießen mit freiem Blick in alle Richtungen ist einfach wunderbar…

Doch natürlich war unser Aufenthalt hier in Nepal nicht nur strahlender Sonnenschein, wie überall gab es auch hier dunkle Seiten, Dinge die uns nicht gefielen. Über die Zeit drängte sich der Eindruck auf, dass viele Nepalis eine Denkweise besitzen, die einen wütend machen kann. Es herrscht in der Gesellschaft sehr viel Egoismus, jeder denkt nur an sich selbst. Angefangen bei korrupten Politikern und Beamten bis zu den Leuten die, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen, einen Streik ausrufen, der das komplette öffentliche Leben lahm legt, ohne Rücksicht auf Verluste. In der Zeit, die wir hier verbracht haben, gab es große politische Veränderungen in Nepal. Am 10. April wurde die lang erwartete Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung (Constitutional Assembly) abgehalten und letzte Woche wurde die Monarchie abgeschafft und die Republik ausgerufen. Doch auch in der Politik zeigt sich ein Egoismus und eine Machtgier die wenig Gutes für die Zukunft hoffen lässt.

Eng damit verkoppelt ist eine andere Eigenschaft, die uns als fleißigen Deutschen zu schaffen machte. “Ke garne” – “was soll man machen” – ist ein Satz den man hier täglich hören kann. Die Mentalität von “ist nicht mein Problem, jemand anderes wird sich schon kümmern” schafft hier viele Probleme und verhindert, dass es so richtig vorwärts geht in diesem Land. Häufig konnten wir diese Einstellung im Krankenhaus erleben, wo zum Beispiel irgendwelche Gerätschaften kaputt waren und keiner sich darum gekümmert hat. Lieber akzeptiert man, dass man eben weniger effektiv arbeiten kann und weniger Patienten behandelt werden können. Dabei müsste sich nur mal einer verantwortlich fühlen…

Ein anderes Ärgerniss ist die unglaubliche Abzocke von Ausländern. Dass man als Europäer in einem relativ armen Land höhere Preise bezahlt ist ja kaum zu vermeiden. Aber das systematische Ausnehmen aller Hellhäutigen ist bisweilen einfach nur unschön. Wenn man in Deutschland einen anderen Eintrittspreis für Ausländer beispielsweise bei einem Museum verlangen würde, wäre die Kacke am dampfen. Hier aber ist es völlig üblich, das Ausländer den zehnfachen Eintrittspreis bezahlen müssen.

Schade war auch, dass wir zweimal bestohlen wurden. Außer Dianas PDA, der im Februar gestohlen wurde, kam noch das (gemietete) Fahrrad, mit dem wir zur Arbeit fuhren, abhanden. Dass es auf dem Klinikgelände an einem Metallpfosten angeschlossen war und sich Wachmänner in der Nähe befanden, hat leider nicht geholfen. Jetzt müssen wir wohl dafür auch noch bezahlen.

Wie sieht denn nun aber die Gesamtbilanz unseres Nepal-Abenteuers aus? Insgesamt sind wir beide sehr froh, dass wir diese Zeit hier verbracht haben. Wir haben unglaublich viel erlebt und gelernt, nicht zuletzt auch über uns. Auch wenn wir nicht unbedingt nochmal ein PJ-Tertial hier verbringen wollten, zum Reisen und Urlaubmachen würden wir wieder hierher kommen.

Unsere Zeit hier war spannend und vielseitig, hatte Höhen und Tiefen. Wir haben viel gesehen und interessante Menschen kennengelernt. Ich denke nicht, dass das der letzte Besuch dieses Landes war (zumindest für mich, Johannes), es gibt hier einfach noch so viel zu entdecken. Trotzdem sind die 20 Wochen jetzt auch genug und wir freuen uns wieder auf Deutschland und natürlich auf euch!

SchwertransportUnsere MitbewohnerFrühstückUnsere MitbewohnerUnsere MitbewohnerBeim Schneider 1Beim Schneider 2Pizzaaa!EisessenDal BahtDer SchnürrerDer Schnürrer muß ab!Weg damitSo ist es besser!Erste AnprobeUnser HausWachmannGepäckwaageDie Republik ist da!SelbstgekochtesDer AbwäscherVive la republique




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