Dakshinkali
(19. Mai 2008 von Johannes)Vor einer Woche wollten wir noch den letzten Haken an unsere Liste der zu besuchenden Sehenswürdigkeiten machen und fuhren mit einem völlig überfüllen Bus nach Dakshinkali. Dakshinkali ist ein Tempel, der der sehr blutrünstigen Göttin Kali gewidmet ist und der sich sich etwa 20 Kilometer außerhalb Kathmandus befindet. So wie ich das verstehe, werden Tieropfer immer Göttinnen dargebracht und bei den Opfertieren muss es sich um unkastrierte männliche Tiere handeln. Dakshinkali ist dafür bekannt, dass hier ein konstanter Strom von Ziegen, Hühnern und angeblich Büffeln geschlachtet wird und der Tempel im Blut nur so schwimmt. Ein guter Grund, sich die Sache einmal näher anzuschauen.
Vom Bus zum eigentlichen Tempel führt eine Straße, die gesäumt ist von Verkaufsständen wo es jegliches Opferzubehör zu kaufen gibt. Von Gemüse über Ringelblumen-Ketten bis zu (noch) lebendigen Hühnern und Ziegen kann man noch schnell alles besorgen, was man für einen erfolgreichen Besuch des Tempels braucht.
Dakshinkali liegt in einem waldigen Tal am Zusammenfluss zweier Gewässer (gilt als heilig). Von der Straße aus führt eine Treppe hinunter zum eigentlichen Tempel. Bis hoch zur Straße standen die Gläubigen an, um ihre Opfer darbringen zu können. Die meisten hatten eine Schale mit Reis, Obst und Gemüse bei sich. Doch sehr viele der Hindus hatten ein Huhn oder gar eine Ziege dabei, die nicht mehr lange zu leben hatten.
Wir konnten uns an den langen Schlangen vorbeidrücken, da wir ja ohnehin nichts zu Opfern hatten und auch nicht in das Tempelinnere hinein durften. Es waren unglaublich viele Menschen unterwegs, überall wurde gedrängelt, alle wollten in den eigentlich recht kleinen und unspektakulären Tempel hinein und ihre Opfergaben loswerden.
Von der Seite hatten wir die Möglichkeit etwas hinein zu schauen und dem Geschehen zu folgen. Die Tiere wurden von professionellen Schlächtern mit sehr geübter Hand ins Jenseits befördert. Hühnern wurde mit einem Schnitt der Kopf abgeschnitten und auf ein kleines Dach über ein paar Statuen gelegt. Der Schlächter bekam für seinen Dienst Geld von den Gläubigen in die Hand gedrückt, die sich vor der Tat selbst wohl etwas scheuten. Den Ziegen ging es ähnlich, auch ihnen wurde zuerst die Halsschlagader geöffnet und dann der Kopf abgeschnitten. Das Ganze ging sehr zügig und vermutlich ziemlich schmerzlos für die Tiere vor sich. Trotzdem war es erschreckend zu sehen, wie eine Unmenge an Tieren hier geopfert wurden.
Das Fleisch der Opfer wurde aber keineswegs verschwendet (dafür ist es hier auch viel zu wertvoll). Der Besuch von Dakshinkali ist für die meisten Nepalis ein großer Familienausflug! Wir sahen viele Familien, die mit Plastiktüten voller Gemüse, vielen Töpfen und Gaskochern angereist waren, um nach dem Opfer dasselbe als Festmahl zu verzehren! Dazu waren 30 Meter vom Tempel entfernt Metzger damit beschäftigt, die getöteten Tiere zu zerlegen und für den Kochtopf vorzubereiten.
Die Atmosphäre war seltsam: Auf der einen Seite wurden hier vor unseren Augen Tiere geopfert, auf der anderen Seite glich das Ganze einem großen, bunten Karneval mit vielen Familien, die alle sehr vergnügt waren.
Wir blieben nicht sehr lange. Nachdem wir alles einmal angeschaut hatten, gingen wir zurück zum Bus, mussten noch eine Stunde warten (der Fahrer erhoffte sich wohl noch mehr Passagiere für seinen schon vollgestopften Bus), doch nur zwei zusätzliche Fahrgäste stiegen zu und wir fuhren zurück nach Kathmandu.
Jetzt sind es nur noch etwas über zwei Wochen, die wir hier in Nepal verbringen werden. Unsere Gefühle sind gemischt: Wir haben hier wunderschöne Dinge erlebt, viel gesehen und tolle Menschen kennengelernt. Trotzdem freuen wir uns beide schon wieder auf Deutschland, Einiges was wir hier im Alltag erleben ist eher anstrengend und bisweilen nervig. Den irren Verkehr, die schlechte Luft und die Trägheit, mit der hier so viele Dinge geschehen werden wir sicher nicht vermissen. Die Gastfreundschaft vieler Nepalis und die wunderschöne Natur außerhalb des Kathmandu-Tals schon eher. Und natürlich unsere herrlichen Nachmittage auf der Dachterasse mit einer Tasse Tee oder Kaffee, ein paar Keksen und der originellen Tageszeitung bei strahlendem Sonnenschein.
Am 20. Mai 2008 um 00:51 Uhr
hej ihr zwei kirschen,
nach euren vielen abenteuern wird es zeit in richtung deutsche küche zu fliegen! wann genau kann man mit euch reisschnüffler rechnen???
sonnige grüße aus halleheimat