Nach meinem letzten Eintrag ging es mit dem Bus weitere 10 Stunden nach Süden. Ich hatte großes Glück: Der Bus war höchsten halbvoll und ich konnte mir die letzte Reihe reservieren und mich dort ausstrecken!
Nha Trang (mein Ziel) hat eigentlich nur eine Attraktion, seinen Strand. Da das Wetter aber eher wechselhaft war, um es freundlich auszudrücken, wollte ich nur einen Tag bleiben.
Eine gewisse Berühmtheit unter den Backpackern haben in Nha Trang "Mama Hanh's Boattours", was mich dazu bewegte, mich auf dieses Abenteuer einzulassen. Die Tour besteht aus einer Bootsfahrt zu vier Inseln, wo man Schnorcheln kann. Das Essen ist inklusive, genauso wie Rotwein, den in der "Floating Bar", also der schwimmenden Bar gibt. Diese ist eigentlich auch der Hauptgrund dieser Tour. Um es kurz zu machen, die Fahrt war eher mäßig und der Rotwein eher als Raketenbrennstoff geeignet, aber der Spaßfaktor war ziemlich hoch!
Trotzdem hatte ich wenig Lust, noch mehr Zeit hier zu verschwenden, also stieg ich mal wieder in einen Bus und fuhr nach Dalat. Dieser Ort liegt auf 1400m landeinwärts auf etwa halber Strecke nach Ho Chi Minh City. Laut Reiseführer ist er das beliebteste Reiseziel für vietnamesische Ehepaare in den Flitterwochen, das war dann auch recht schnell zu merken. An für sich ist Dalat ein netter Ort mit einem angenehmen Klima, aber man merkt doch schnell, wer die meisten Gäste sind: Kitsch überall. Vom "Valley of Love" mit seinen falschen Cowboys, über diverse "must see" Wasserfälle, die, völlig unspektakulär, dafür mit noch mehr Cowboys bestückt bis hin zu schwanenförmigen Ruderbooten auf einem künstlichen See, ist den Machern nichts zu schade.
Gut gefallen hat mir die Landschaft um Dalat, die ich mit dem Motorrad etwas erkundet habe. Ach ja, das Motorradfahren: Der Verkehr überall in Vietnam ist völlig anders als alles, was man sonst so kennt, selbst italienische Städte wirken harmlos gegen das Chaos auf den Straßen hier. Regeln scheinen höchstens empfehlenden Charakter zu haben, halten tut sich keiner daran. Man fährt, immer so schnell wie es das jeweilige Gefährt erlaubt (Motorrad, Fahrrad, Eselskarren, 40tonner LKW, 30 Jahre alter Bus etc.) und die Seite der Straße auf der man sich befindet scheint auch nicht von allzu großer Wichtigkeit zu sein. Das Faszinierendste am Verkehr hier finde ich aber sind die Kreuzungen. "Normalerweise" funktionieren Kreuzungen ja so, dass immer ein Teil der Verkehrsteilnehmer wartet, während der andere fährt. Nicht so in Vietnam: Hier fahren alle gleichzeitig, es ist ein ständiges Ineinander und Umeinander-herum, ein konstantes Fließen!
Als Neuling in dieser Form des Straßenverkehrs hatte ich natürlich große Schwierigkeiten, auch nur links abzubiegen, da es wenig hilft, stehen zu bleiben, niemand wird anhalten um einen durch zulassen. Man muss ständig in Bewegung bleiben, um sich blicken und darauf vertrauen, dass die Anderen das selbe tun...
Nach einem Tag in Dalat hatte ich genug, ich kaufte mir mal wieder ein Busticket und befinde mich jetzt in Saigon, oder Ho Chi Minh City, wie die Stadt seit Ihrer "Befreiung" 1975 durch Nordvietnam heißt.