Ich sehe gerade, dass es fast zwei Monate her ist, dass ich in dieses Tagebuch geschrieben habe. Es ist also eindeutig an der Zeit diesen Zustand zu ändern!
Die letzten zwei Monate verbrachte ich, kurz gesagt, indem ich tagsüber hinter der Kasse stand, wochenends am Strand war und abends die Pubs unsicher gemacht habe. Ja, so könnte man meine Zeit hier zusammenfassen.
Die Arbeit bei Woolworths ist gar nicht so schlimm, wie ich eigentlich befürchtet hatte. Im Gegenteil, es ist schon sehr bedenklich, dass es mir meistens Spaß macht! Ich sehe schon meine Zukunft im Einzelhandel...
Dabei darf man "meinen" Woolies nicht mit dem ordinären Handelshof oder Lidl vergleichen. Während letztere dunkle Lebensmittel-Verteilungszentren sind, ist Woolworth "the premium food retailer in Australia"! Helle, saubere Regale, frisches Obst, Gemüse und Brot und vor allem eine extrem freundliche, effektive Belegschaft! Nein, ich klopfe mir kaum selbst auf die Schulter, aber der Unterschied zu einem deutschen Supermarkt ist schon erheblich. Hier ist es Pflicht freundlich zu sein, hier gibt es kein Grunzen als Zeichen der Kenntnisnahme, dass ein Kunde es gewagt hat, die Ruhe der Kassentante zu stören. "Begrüße deinen Kunden mit einem Lächeln" steht groß im Belegschaftsraum an der Wand. Ach ja, wir sitzen auch nicht faul auf unserem Hintern und schieben die Waren über den Scanner: Wir stehen und packen alles gleich ein. Das alleine ist schon eine Kunst! Kaltes mit Kaltem, die Trauben immer oben drauf, Vorsicht mit dem Brot (das ist hier eher von der "flexiblen" Sorte, so à la Toast) und bitte das Waschmittel nicht mit den Cornflakes!
Das wirklich Interessante an diesem Job ist natürlich nicht das Begrüßen und Scannen und Packen (ein gut trainierter Affe sollte dazu problemlos in der Lage sein). Das wirklich Interessante sind die Leute, die man jeden Tag trifft. Von den gut aussehenden Surferinnen (Weet Bix und Orangesaft) über Schulkinder (Kaugummies, Caramello Koalas), Mums (alles, am liebsten den ganzen Einkaufswagen voll, mit zwei plärrenden Kindern auf dem Arm), älteren Damen (Rosenkohl, Vitamintabletten und Katzenfutter) bis hin zu Busfahrern (Brötchen, Salami und Cola) und Geschäftsfrauen (Strumpfhosen, rote Paprika und teurer importierter Käse) ist jede Bevölkerungsschicht vertreten.
Und natürlich gibt es auch den "customer from hell", den Kunden dem man es einfach nicht recht machen kann. Er (oder sie!) verlangt dass jede Dose Hundefutter in ein eigene Tüte kommt und beschwert sich dann, dass er immer so viele Tüten zuhause rumfliegen hat. Er mosert lauthals über den schlechten Service, wenn er warten muss, weil seine Kreditkarte nicht funktioniert und alles Menschenmögliche unternommen wird, damit er trotzdem mit seinem Einkauf nach Hause gehen kann. Er beschwert sich, dass dies und jenes und eigentlich fast alles viel teurer ist, als angeschrieben (in der Hoffnung, sein Hundefutter (s.o.) und Haargel umsonst zu bekommen) nur um dann nach langem Rumgerenne zwischen den Regalen zu hören, dass die Preise exakt übereinstimmen. Worauf er seinen vollen Einkaufswagen (alles schon brav in Tüten verpackt) wutschnaubend stehen lässt und fluchend den Laden verlässt, "auf nimmer Wiedersehen". Nur um am nächsten Tag wieder da zu stehen und s.o.!
Auf jeden Fall kann man sehr interessante Sozialstudien treiben, während man fragt "Möchten Sie das Fleisch in einer extra Tüte?" und gleichzeitig auf die Uhr schielt in der Hoffnung, dass der Zeiger sich doch ein kleines Bisschen schneller bewegen würde...
Da ich jetzt aber schon gut zweieinhalb Monaten hier in Mona Vale weile, wird es langsam Zeit für mich, wieder aufzubrechen. Auch wenn ich wirklich gerne hier bin und es mir problemlos vorstellen könnte, hier dauerhaft zu wohnen, so habe ich doch noch sehr wenig vom Rest von Australien gesehen!
Ich habe (nach langem Hin und Her) beschlossen, mir ein Auto zu kaufen. Wo und wie und was für eines, weiß ich noch nicht. Ich habe mir sagen lassen, entweder einen Ford oder einen Holden zu nehmen, da diese Autos weit verbreitet sind und daher die Chance, im Nirgendwo jemanden zu finden, der es reparieren kann, am größten ist. Ich werde am Samstag in die City nach Kings Cross ins Backpacker-Zentrum fahren, in der Hoffnung, hier ein entsprechendes Gefährt zu finden!
Am selben Tag werde ich auch mein Flugticket umbuchen, meine Pläne für meine weitere Reise sehen so aus: Ich werde vermutlich Ende Juni nach Neuseeland weiterfliegen, dort ca. 4 Wochen verbringen (es wird ja tiefster Winter sein), dann weiter nach USA-Land für etwa 3 Wochen. So gegen Ende August wäre ich dann wieder in Deutschland.
Meine Route durch Australien liegt noch nicht ganz fest. Sicher ist, dass ich in Richtung Süden starten werde. Canberra, Melbourne, Adelaide. Wie es von da aus weitergeht, kann ich noch nicht sagen; Perth und Westaustralien interessieren mich sehr, die Entfernungen sind aber doch eher etwas abschreckend! (Melbourne - Perth: 4800 km). Die Alternative ist, direkt durch die Mitte nach Oben und dann durch Nord Queensland zurück an die Ostküste.
Auf jeden Fall wird es in Kürze losgehen, wohin ist noch nicht so ganz klar, aber das wird sich unterwegs ergeben!