Eine laaaange Fahrt...
Die Entfernung von Adelaide nach Perth beträgt gut 2700 Kilometer, es handelt sich also nicht um eine Tour, die man mal schnell am Nachmittag macht.
Zu dritt ging es Donnerstag Morgen los in Richtung Westen. Mit mir waren Romain aus Frankreich und Lisa aus Deutschland (wie sich erst später herausstellen sollte). Wir füllten den Tank und den Ersatzkanister mit Benzin, den Wassertank mit Trinkwasser und die Futterkiste mit original australischem Latschbrot (was unser Grundnahrungsmittel für die nächsten drei Tage darstellen sollte).
Am ersten Tag schafften wir immerhin gut 750 Kilometer, die Gegend war zwar leer, aber hin und wieder konnte man doch ein Zeichen von Zivilisation entdecken, auch die Orte waren nur etwa so 50 Kilometer auseinander. Unsere erste Nacht verbrachten wir in Ceduna, einem kleinen Nest an der Küste von Südaustralien. Da es leider nach Regen aussah, konnten wir unseren ursprünglichen Plan, nämlich am Strand zu schlafen, nicht verwirklichen. Also quetschen wir uns zu dritt (2x 187cm + 1x 172cm) in mein doch überraschend kleines Auto (Liegefläche ca. 170cm...). Die Nacht war, hm, eine Spur unbequem.
Doch als Reisender soll man nicht klagen, immerhin hat uns die Übernachtung nichts gekostet...
Weiter ging es in Richtung Westen. Im Laufe des Tages wurden die Orte weniger und das Benzin teurer, was wir allerdings (zähneknirschend) hinnehmen mussten, da auch mein sparsames Auto keine 1200 Kilometer mit einer Tankfüllung fährt. Wir fuhren durch die Nullabor Ebene (der Name kommt angeblich aus dem Lateinischen Null Arbor...) wo es auch wirklich nicht einen einzigen Baum gibt, lediglich graugrüne Sträucher.
Das Wetter war schön, es wurde immer wärmer. Anscheinend gefiel meinem kleinen Autolein die Hitze kombiniert mit stundenlangem Fahren eher weniger, es fing an, sich eigenwillig zu benehmen. Nach einer kurzen Pause zwecks Fahrerwechsel wollte es partout nicht mehr anspringen, es gab einen kurzen Klick von sich tat ansonsten nichts mehr.
Zuerst waren wir guter Dinge und hofften, dass ein kurzes Ruhen lassen das Problem lösen würde, aber dem war nicht so! Wir saßen also mitten in der Wüste mit einem bockigen Auto in der glühenden Mittagshitze fest. Nach einigen weiteren erfolglosen Versuchen musste ich mir die bittere Wahrheit eingestehen, dass mein Auto wohl verstorben war!
Nach langem innerem Ringen zwang ich mich dazu, vorbeifahrende Autos anzuhalten, damit ich einen Lift in den nächsten Ort (50 km) bekommen und von dort aus Hilfe holen könnte. Aber noch einmal wollte ich es probieren, bevor ich mich der Gier eines Mechanikers mit Monopolstellung auslieferte. Ich redete meinem Fahrzeug gut zu, tätschelte die Motorhaube, gab ihm einen Tritt in die Reifen und drehte den Schlüssel. Bruummm!! Der Motor sprang ohne zu Murren an und schnurrte wie ein kleines Kätzchen!
Überglücklich fuhren wir weiter durch die Wüste. Doch sollte dies nicht das letzte Mal sein, dass mein hinterhältiges Auto uns einen Streich spielte: Noch fünf mal schafften wir es, an Tankstellen, Klos und Grillplätzen festzusitzen, da der Motor zu heiß war, um zu starten. Seit zwei Tagen tritt dieses Verhalten übrigens nicht mehr auf, obwohl das Auto genauso warm wird, wie zu vor...
So warm es am Tag auch sein mag, nachts wird es erbarmungslos kalt in der Wüste. Diese Erfahrung musste ich machen, als ich, um die Enge des Auto zu vermeiden, auf einem Tisch auf einem Parkplatz in der Mitte von Nirgendwo schlafen wollte. Es war für die ersten Stunden sehr bequem, ich konnte meine Beine ausstrecken und mich sogar vorsichtig umdrehen, doch so gegen drei Uhr war es derart kalt geworden, dass ich nur noch vor Kälte zitternd in meinem (zugegebenermaßen dünnen) Schlafsack lag. Das Ende der Geschichte: eine weitere Nacht zu dritt im kleinen Auto...
Auf jeden Fall schafften wir es durch die Wüste und waren am dritten Tag in Esperance an der Küste in Western Australia. Zurück in der Zivilisation hatten wir die Idee (da es Samstag Abend war), uns doch ins lokale Nachtleben zu stürzen. Wegen Mangels eines Solchen in Esperance entschieden wir uns, noch schnell 500 Kilometer weiter nach Albany zu fahren und unser Glück dort zu versuchen. Gesagt getan, doch in Albany angekommen mussten wir enttäuscht feststellen, dass das Klientel des dortigen Nightclubs doch nicht ganz unseren Vorstellungen entsprach, also verbrachten wir eine Nacht am Strand.
Im Laufe des nächsten Tages schafften wir es immerhin, 50 Kilometer zu fahren, bevor wir an einem gemütlichen Campingplatz am Meer hängen blieben und unseren Tag mit Bier und Erdnussbutter Sandwiches beschlossen.