Weiter ging es am nächsten Tag, eigentlich direkt nach Perth. So sah der Plan aus, mein Geldbeutel war jedoch nicht ganz einverstanden, es musste dringend Geld her. In Manjimup, einem kleinen Ort ca. 3 Stunden vor Perth wollte ich Arbeit finden, als Apfelpflücker. Dummerweise hatte ich aber noch zwei Mitfahrer, die eigentlich nach Perth wollten. Aber bevor ich meine Pläne bezüglich Arbeitaufnahme verwirklichte, wollten wir noch eine lokale Sehenswürdigkeit anschauen, den Gloucester Tree Fire Lookout. Dies ist ein Feuerwachturm, der aus einem 60 Meter hohen Baum besteht, auf den oben noch eine Plattform gebaut ist. Hoch kommen tut man mit Hilfe von Eisenstangen, die kreisförmig wie eine Treppe oder eher eine Leiter in den Baumstamm gebohrt sind. Die Sache ist sehr "luftig" und absolut nicht empfehlenswert für alle, die auch nur ansatzweise an Höhenangst leiden oder allgemeiner gesagt, für alle die ihr Leben lieben! Angeblich trauen sich nur einer von vier Besuchern auf den Baum hinauf...
Man hat jedoch von oben einen wunderbaren Blick auf, nun ja, Baumwipfel. Ich komme also in 65 Metern Höhe auf der obersten Plattform an und treffe dort zwei Leute an, die sich unterhalten. Der eine von beiden scheint Englisch mit einem bayerischen Akzent zu sprechen. Diese Vermutung bestätigt sich auch, als Lisa (siehe vorheriger Eintrag) ihn als jemanden erkennt, mit dem sie Monate vorher zusammen gereist ist! Der Bayer heißt Roland und ist schon ein Jahr in Australien unterwegs. Er erzählte, dass es noch mehr von diesen herrlichen Feuertürmen gibt, sogar einen, der noch höher ist und dass er auf eben diesem übernachten werde.
Da gab es natürlich für mich kein Halten mehr, das musste ich auch machen! Lisa war es auch nicht unrecht, noch nicht direkt nach Perth zu fahren, nur Romain wollte eigentlich weiter. Also stellte er sich in Manjimup an die Straße und versuchte zu trampen. Ob er noch am selben Tag nach Perth kam, weiß ich natürlich nicht...
Nach einem etwas spärlichen Abendessen (Nudeln mit Ketchup, wir haben den Blumenkohl roh gegessen und die vorgesehene Soße war schon ein Jahr abgelaufen...) stiegen wir (im Dunkeln), ich mit großem Rucksack (Schlafsäcke, Kocher und Wein), die 70 Meter zur Aussichtsplattform auf. Höhenangst konnte nicht aufkommen, da wir ohnehin nichts sahen, lediglich ein leicht unangenehmes Gefühl, da man die Sprossen nicht sehen, sondern nur ertasten konnte!
Oben angekommen rollten wir unsere Schlafsäcke aus und tranken lauwarmen "Glühwein". Es wurde eine kalte Nacht: Die Plattformen haben keine soliden Wände, der Wind pfeift ungehindert durch. Trotzdem schwankte der Baum (70m sind doch ganz schön hoch!) öfters Mal langsam hin und her.
Trotz alle dem war die Nacht (für die zwei Herren, Lisa hatte etwas zu kämpfen) erholsam und der Sonnenaufgang spektakulär! Als dann der erste Touristenbus weit unten auf dem Parkplatz ankam, rollten wir unsere Schlafsäcke auf und machten uns auf den langen Abstieg. Gerade rechtzeitig, kaum waren wir unten, fing es an zu gewittern. Wenn die Sprossen nass vom Regen sind, ist es wohl fast unmöglich, sicher auf- oder abzusteigen...
Ich musste mich jetzt entscheiden, ob ich mit den zwei Anderen ein paar Tage ans Meer fahren und vielleicht sogar surfen lernen, oder zurück nach Manjimup gehen und dort arbeiten würde. Ich entschied mich fürs Erstere.
Wir fuhren im Konvoi nach Westen, zum Meer. In Margaret River, das Wetter war auch schon bedeutend besser geworden, fuhren wir zum erstbesten Strand und kochten erst einmal etwas. Leider blieb das Wetter nicht so gut, so dass wir in den nächsten Tagen einige Zeit in unseren Autos verbrachten, obwohl ich heroischerweise einige Surfversuche machte. Weit bin ich allerdings nicht gekommen: Die Wellen waren so groß, dass ich es nicht einmal schaffte, mit dem Brett durch die Brandung zu paddeln!
Da sich das Wetter nicht zu bessern schien, fuhren wir nach zwei Tagen eine Stunde nach Norden, nach. Yangijup Hier war das Wetter besser und wir verbrachten einige schöne Tage am Meer. Ich versuchte mich immer wieder mit Rolands Panzersurfbrett und eines Tages schaffte ich es, wenn auch nur für ein paar Sekunden, aufzustehen und durch die Wellen zu gleiten!!!
Doch der Spaß währte nur kurz: Ich fiel vom Brett, und riss mir meinen rechten Fuß an einem tückischen Unterwasserfelsen auf. Das war es dann für mich gewesen, für die restlichen Tage musste ich mich vom Wasser fernhalten.
Mittlerweile ist mein Fuß schon wieder viel besser, Lisa und Roland sind in Perth und ich bin wieder in Manjimup und pflücke Äpfel. So vier bis fünf Container schaffe ich pro Tag. Pro Container gibt es $24... Aber ich bin den ganzen Tag im Freien und da ich wenig Geld fürs Leben hier ausgebe, kann ich sogar was verdienen.