Zu dritt fuhren wir am nächsten Tag zum größten Nationalpark Australiens, Kakadu. Kakadu ist sehr vielseitig, es gibt Feuchtgebiete voller Vögel und Krokodile, Savannenlandschaft, Wasserfälle und Felsenmalereien von Aborigines. Der Park ist so groß, dass man auf jeden Fall einige Tage braucht, um auch nur die Highlights zu sehen.
Die Nächte verbrachten wir auf sehr einfachen Campingplätzen, außer Feuerstellen und einem Plumpsklo gibt es dort nur staubige Zeltplätze und Mosquitos. Ach ja, und Krokodile.
Der ganze Park ist gepflastert mit Krokodil-Warn-Schildern. Neben den relativ harmlosen Süßwasserkrokodilen gibt es hier auch die garstige Salwasser Sorte. Diese Tiere werden bis zu 7 Meter lang und attackieren (und fressen) sehr gerne Menschen, die dumm genug sind, in einem der vielen kleinen Flüsse schwimmen zu gehen oder auch nur zu nahe am Ufer zu stehen...
Der erste Wasserfall den wir besichtigten ist angeblich in Crocodile Dundee zu sehen und war fast ausgetrocknet. Während der Regenzeit könnte man ihn wohl auch nicht besuchen, da die ganze Gegend unter Wasser wäre.
Wir schauten uns außerdem "wet-lands" und Felsenmalereien an, doch das Highlight war unsere Tour zu den Jim-Jim und Twin Falls Wasserfällen. Diese Wasserfälle sind aber nicht wie der Rest des Parks mit einem normalen Auto zu erreichen, man braucht auf jeden Fall ein Fahrzeug mit Allradantrieb. Da wir aber unbedingt zu den Fällen wollten, blieb uns nur die Möglichkeit zu trampen. Es war auch nicht weiter schwer, einen Lift zu den Jim Jim Fällen zu bekommen. Die Strecke dorthin führt zuerst 50 Kilometer über eine Staubpiste, die wir problemlos auch selber hätten fahren können. Doch die letzten 10km bestehen aus einer schmalen, kurvigen Fahrrinne, die immer wieder durch kleine Bäche führt, hier hätten wir keinerlei Chance.
Der Jim-Jim Wasserfall ist zwar zu dieser Jahreszeit fast ausgetrocknet, trotzdem ist er mit seinen 215 Metern Höhe sehr beeindruckend. Nach unserer Rückkehr zum Parkplatz suchten wir nach einer Mitfahrgelegenheit zu den Twin-Fällen, da diese noch mal 12 Kilometer weiter sind. Lisa hatte nach ein paar Minuten auch einen Lift, für Dan und mich sah es nicht so gut aus.
Für die nächsten zwei Stunden sahen wir kein Auto mehr, dass in unsere Richtung fuhr. Und obwohl es unanständig heiß war, liefen wir am Ende die ganze Strecke!
Doch selbst nach unserem Marathon durch die Mittagshitze war unsere sportliche Betätigung noch nicht zu Ende: um zu den Wasserfällen zu kommen, muss man noch einen halben Kilometer durch eine Schlucht schwimmen, die - hoffentlich - krokodilfrei ist. Ein großes Netz ist quer durch das Wasser gespannt und wir sahen auch einige Krokodilfallen, aber so genau wissen kann man es ja nie...
Gefressen wurde aber niemand und die Mühen wurden belohnt: Die Twin Falls waren beeindruckend und auch keineswegs ausgetrocknet! Uns gefiel es dort so gut, dass wir die Zeit völlig vergaßen, was wir kurz darauf sehr bereuen sollten. Als wir endlich zum Parkplatz zurückkamen, waren noch genau 4 Autos dort geparkt, alle von organisierten Touren, die normalerweise niemanden mitnehmen. Unser Auto war 70 Kilometer entfernt, wir hatten noch nicht einmal lange Hosen, geschweige denn Schlafsäcke oder etwas zu Essen dabei!
Wie schon befürchtet, stellten sich die Tourleute stur: Nein, wir können keine Tramper mitnehmen, viel Glück noch. Wir stellten uns schon auf einen laaaaangen Marsch ein, da schaffte es Dan mit seinem legendären Verhandlungsvermögen den letzten Tour-Operator (der nur 3 Leute in seinem Neunsitzer hatte) zu überreden, uns wenigstens bis zum Campingplatz, 7 Kilometer in Richtung Straße, mitzunehmen. Die Fahrt war haarsträubend, da der Fahrer (der die Strecke offensichtlich gut kannte) mit 70 km/h auf dem genau Auto-breiten Waldweg entlangraste und sich auch von solch Kleinigkeiten wir sandige Kurven oder Bachdurchquerungen nicht aus der Ruhe bringen lies. Aber immerhin waren wir jetzt nur noch 65 Kilometer vom Auto weg.
Nach kurzer Beratung fing Dan an, auf dem Campingplatz nach Leuten zu suchen, die er Bestechen könnte, dass sie uns zur Straße fahren würden. Ich lief los in Richtung Jim-Jim, in der Hoffnung auf dem dortigen Parkplatz vielleicht noch jemanden zu finden, der noch zurück zur Straße führe. Ich traute meinen Augen nicht, als mich nach zwei Kilometern ein Auto überholte, das ganz offensichtlich noch heute zurückfahren würde!! Die Leute hielten sofort an und fragten mich, wo es denn hingehen sollte. Nachdem ich meine Geschichte erzählt hatte, sagten sie als gute Australier sofort, dass sie uns natürlich nicht sitzen lassen könnten, fuhren zurück zum Campingplatz und holten Lisa und Dan ab. Überglücklich (die Vorstellung einer 60 Kilometer Nachtwanderung hatte keinen von uns all zu sehr erfreut) quetschen wir uns auf die winzige Rückbank und fuhren zurück zum Auto.
Nach diesem Abenteuer verbrachten wir den nächsten Morgen noch im Besucherzentrum und fuhren dann die 300 Kilometer nach Darwin. Auf dem Weg dorthin ging uns das Benzin aus, was aber so geplant war, da wir noch einen vollen Ersatzkanister hatten. Wie schon mehrfach berichtet, hat mein Auto die zeitweise extrem ärgerliche Eigenschaft, hin und wieder das Starten zu verweigern, wenn es zu warm ist. So auch heute, mitten in der Pampa am Straßenrand. Doch diesmal packte mich die Wut: Ich schnappte mir einen großen Schraubenschlüssel und fing an wie wild auf alle möglichen Teile im Motor zu schlagen. Nach ein paar Minuten "Reparierens" versuchten wir es noch einmal und siehe da, meine Karre sprang an und schnurrte wie ein kleines Kätzchen.