Zu viert fuhren wir weiter gen Süden, unser Ziel war Airlie Beach, der Ausgangspunkt für Segeltouren durch die Whitsundays. Airlie selbst in kein besonders interessanter Ort, es sind die Whitsunday Islands, weswegen man dorthin kommt. Eine Segeltour durch die Whitsundays ist ein "Muss" auf dem Backpacker-Pfad durch Australien. Die Mädels und Floris schauten sich auch sofort nach einem passenden Boot um, es gibt in Airlie so viele Segelboote wie es Backpacker gibt (und davon gibt es eine ganze Menge!). Ich hatte eigentlich keine so große Lust, $300 für eine dreitägige Segeltour zu zahlen, egal wie toll das Boot auch sein mag. Ich interessierte mich eher für eine Tauchtour gleicher Länge, da man sowohl bei den Inseln als auch (was natürlich wesentlich ergiebiger ist) am Great Barrier Reef tauchen kann.
Ich fand auch etwas, eine Tour die am gleichen Abend starten würde und deswegen auch etwas billiger war. Vorgesehen waren drei Tage und drei Nächte auf dem Tauchboot und 10 Tauchgänge am Outer Reef, davon zwei in der Nacht. Außerdem könnte ich ohne extra Kosten meinen PADI Advanced Open Water Course machen, der nächste Schritt in meiner Tauchkarriere.
Um 19 Uhr war ich also auf dem Boot, der Ocean Pro, und kurz darauf schaukelten wir los. Das Boot war eher langsam (da schon 20 Jahre alt), aber sehr gemütlich. Die Crew war meistens gut gelaunt und die Witze waren, da wir sie zum ersten Mal hörten, auch fast witzig! Das einzige Problem war das Wetter: Der Skipper warnte uns schon mal, dass es unter Umständen sein könnte, dass wir es wegen zu starkem Wind und Seegang vielleicht gar nicht zum Outer Reef schaffen würden und dann bei den Inseln tauchen müssten.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte und aus meiner Kabine aufs Deck hochstieg sah ich, dass wir in einer Bucht geankert hatten, es war klar, dass wir es nicht zum Reef geschafft hatten. Natürlich war ich zuerst enttäuscht (zusammen mit allen Anderen, ein Amerikaner wollte sogar sein Geld zurück, da die Firma kein gutes Wetter garantieren konnte...). Doch dann sagte ich mir, dass ich einfach das Beste aus dem Vorhandenen machen würde, da alles Andere ohnehin sinnlos wäre!
Und das Tauchen war auch so fantastisch! Ich sah Unmengen von Fischen, Seegurken (dazu später) und alle erdenklichen Sorten von Korallen. Außerdem Haie und eine Schildkröte! Das Wasser war meistens nicht besonders tief, so um die 12-15 Meter, aber tiefer geht das Korallenriff ohnehin nicht. Unser Limit war 18m für den ersten Tauchgang des Tages, die folgenden waren zu einer geringeren Tiefe (das macht man so um das Risiko der Dekompressionskrankheit zu verringern).
Neben den reinen "Vergnügungstauchgängen" musste ich auch in Bisschen lernen: Der Advanced Open Water Course besteht aus fünf speziellen Tauchgängen: unter Anderem ein Tief- und ein Navigationstauchgang. Diese machten zwar eher weniger Spaß, dafür habe ich jetzt eine weitere Tauchqualifikation, mit der ich keine Beschränkungen mehr habe.
Die Korallen waren oft wie ein Labyrinth, man konnte sich problemlos darin "verlaufen"! Am Besten war, neben dem Nachttauchen, der letzte Tauchgang: Alles stimmte, ich hatte endlich die Technik richtig raus, wir sahen Unmengen von großen Fischen um am Ende - wir kamen gerade unter einem Überhang hervor - schwamm eine Schildkröte über uns vorbei...
Wieder zurück auf dem Festland hatte ich zuerst einmal Schwierigkeiten, gerade zu laufen, alles schien hin- und her zu schwingen! Dieser Effekt wurde nur noch verstärkt, als wir am Abend zusammen einen (oder zwei, oder drei, oder...) heben gingen...
Der nächste Morgen war eher unangenehm, aber was tut man nicht alles für einen guten Zweck!
Heute war auch der Tag, an dem wir endgültig von Mary und Joanne Abschied nehmen mussten, sie fuhren weiter nach Brisbane, Floris am nächsten Tag nach Townsville und ich wollte noch ein Bisschen bleiben.
Den Abend verbrachten Floris und ich noch sehr zünftig auf der berüchtigten Schaumparty von Airlie Beach, nach der wir mit völlig verschrumpelter Haut (Hey, wir sind ältere Herren, wir müssen auf unser Äußeres achten!) und frischgewaschenen Klamotten scheintot ins Bett vielen.
Floris fuhr am nächsten Tag mit dem Bus nach Townsville (und flog von dort aus zurück nach Hause) und ich ging mal wieder auf ein Tauchboot. Es handelte sich hierbei um eine sehr kurzgefasste Entscheidung, genau 5 Minuten bevor das Boot abfahren sollte lieh ich mir das Geld (diesmal nur $300, durch geschicktes Erpressen erhandelt) von Alex, einem Deutschen den ich vom Tauchen her kannte aus, packte meine Sachen zusammen und sprang kurz bevor wir ablegten auf das Boot!
Dieses Tauchboot war nagelneu und wesentlich schneller, aber nicht so gemütlich wie das andere. Zudem war es die gleiche Crew wie auf dem ersten Boot, daher kannte ich schon jeden Witz (die beim ersten Mal so spontan erschienen...). Aber der Wetterbericht war fantastisch, wir würden mit größter Wahrscheinlichkeit zum Outer Reef kommen!
Genau so war es auch: Ich wachte am nächsten Morgen auf, schaute aus dem Fenster uns sah - nur Wasser!! Das Wetter war herrlich, das Tauchen noch besser. Auf dem ersten Tauchgang sahen wir gleich einen gut 2 Meter langen Whitetip Reefshark.
Wir sahen noch einige andere Haie in den drei Tagen, außerdem verschiedenste Korallen und vor allem eine unglaubliche Vielfalt und Anzahl von Fischen. Manchmal war ich komplett von Fischen umgeben! Auf einem unserer Nachttauchgänge sahen wir eine gigantische Schildkröte vorbeidriften, sie war gut 1,20m lang!
Ein Nachttauchgang ist etwas besonderes, es ist völlig dunkel, bis auf die eigene Taschenlampe und die des Tauchbuddys. Es sind völlig andere Tiere unterwegs als während des Tages, es ist die Beste Zeit um Haie zu sehen.
Nach insgesamt 10 Tauchgängen fuhren wir, ziemlich erschöpft aber glücklich, nach Airlie Beach zurück.
In der letzten Woche hatte ich 20 Tauchgänge unternommen und insgesamt 12 Stunden unter Wasser verbracht!! Ich hatte jetzt keinen Pfennig Geld mehr, ich konnte noch nicht einmal das Benzin bezahlen um nach Sydney zu fahren...