Noch immer Bangkok
(10.10.2001)
Tja, so kann es gehen: ich hatte mir vorgenommen, vielleicht 3-4 Tage in Bangkok zu verbringen und mich dann davon zu machen. Jetzt bin ich schon eine Woche hier und habe noch zwei Tage vor mir, bevor ich den Abflug mache.
Am Freitag werde ich nach Hanoi (Vietnam) fliegen um von dort aus Vietnam und Kambodscha zu bereisen. Ich hatte mir natürlich zuerst überlegt, auf dem Landweg durch Laos nach Vietnam zu reisen, die Idee aber dann verworfen, weil das bedeutet hätte, dass ich noch mindestens bis Mitte nächster Woche hier in Bangkok hätte bleiben müssen, da es so lange dauert, bis man ein Visum bekommt. Die Bürokratie ist ja nirgendwo auf der Welt schnell, aber hier in Südostasien wohl besonders langsam, außer man "ölt" sie ein bisschen; das habe ich mir dann aber doch nicht zugetraut...
Es ist ja nicht so, dass es mir hier in Bangkok langweilig würde - das ist fast unmöglich - es ist aber ziemlich anstrengend und ich habe noch einige vor.
Die letzten Tage habe ich damit verbracht, Tempel zu besichtigen und einfach durch die Stadt zu laufen. Die Tempel (Wat) sind einfach unglaublich. Wat Po zum Beispiel hat ein Gebäude in dem ein 45 Meter (!) langer Buddha liegt. Gestern war ich mit dem Bus im ca. 80 km nördlich von Bangkok liegenden Ayutaya. Das war über 400 Jahre lang die Hauptstadt Thailands, bis sie von den Burmesen eingenommen und zerstört wurde. Man kann aber die Ruinen der Paläste und Tempel besichtigen.
Den Rückweg habe ich per Bahn gemacht, wollte Geld sparen und bin dritter Klasse gefahren. Ich war der einzige farang (Westler) in dem völlig überfüllten Zug. Vollgestopft mit Thais, die zu alle dem auch noch ihren halben Hausrat mit dabei zu haben schienen. Und alle fünf Minuten drängte sich ein Wasser-, oder Essenshändler durch die viel zu engen Gänge. Zum Glück dauerte die Fahrt nur etwa 2 1/2 Stunden... (zum Vergleich, die Hinfahrt im komfortablen, klimatisierten Bus (Kostenpunkt: 40 Baht = 2 DM) hatte nur etwas mehr als eine Stunde gedauert)
Das Essen hier in Thailand ist wunderbar. Es gibt an jeder Straßenecke kleine Straßenstände wo man alles kriegen kann, von den Bananenpfannkuchen für 10 Baht, über wunderbare Suppen und kleine Fleischspießchen bis hin zum gegrillten Frosch. In den touristischen Ecken steht meistens in Englisch angeschrieben, um was es sich handelt. Ich versuche aber so viel wie es geht, von den Touristenzentren weg zu kommen und mich in Gebiete vor zu wagen, wo ich als einziger Westler herumlaufe. Man bekommt so ein zum Teil völlig anderes Bangkok zu sehen, als die meisten anderen Besucher. Mit dem Essen ist es dann allerdings etwas schwieriger, da die Bezeichnungen nur in Thai sind. Aber mit Draufzeigen und einfach ausprobieren bin ich bis jetzt immer ganz gut gefahren. Heute hatte ich (glaube ich zumindest) eine Art Nudelsuppe mit Fleisch. Das Fleisch war mir allerdings vom Aussehen und vom Geschmack her völlig unbekannt...
Mein Abendessen bestand in den letzten Tagen immer aus "Noodle Soup with beef" von einem kleinen Stand in der nähe meines Guesthauses. Die Besitzer haben nach dem dritten Mal schon gelacht, als ich wieder auftauchte und beim letzten Mal Essen dort, sind wir sogar ins Gespräch gekommen. Mehr oder weniger, da ihr Englisch nicht das Beste und mein Thai nichtexistent ist. Es war aber trotzdem wirklich schön, ein kleines bisschen Einsicht in das Leben der Einheimischen zu bekommen. Sie haben mich auch gleich gefragt, wann ich wiederkomme; ich werde also nachher noch eine Nudelsuppe essen gehen!
Überhaupt sind die Thai ein unglaublich freundliches Volk. Natürlich sieht das überall da, wo viele Touristen sind anders aus. Da wird beschissen und betrogen was das Zeug hält. Da erzählen Tuk-tuk-Fahrer dass diese oder jene Sehenswürdigkeit geschlossen sei, um einen zu einem Schmuckladen zu karren, da kostet das Taxi oder der Bus auf einmal ein paar Baht mehr als dran steht etc. Aber sobald man ein bisschen vom Hauptstrom der Touristen wegkommt, sind die Menschen anders. Wenn man ein bisschen ins Gespräch kommt, merkt man, wie freundlich, wie interessiert sie sind.
Das macht meiner Meinung nach das Reisen so interessant, diese kleinen Einblicke in eine fremde Welt.
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