Die Tour nach Halong Bay war fantastisch! Man muss sich wirklich die Fotos anschauen, um das zu begreifen. Halong Bay ist eine Bucht etwa drei Stunden nordöstlich von Hanoi. Selbst mit dem klimatisierten Minibus war die Fahrt über holperige Straßen eine Tortur. Dafür wird man, wenn man diesen ersten Teil der Reise überstanden hat, mit einer unglaublichen Landschaft belohnt!
In der Bucht gibt es über 2000 Kalksteininseln, die steil aus dem Meer hinausragen. Zum Teil sind es größere Inseln, oft aber nur schmale Felsnadeln die im türkisfarbenen Wasser stehen. Oben sind diese Felsen saftig grün bewachsen, der Anblick ist unglaublich!
Ich hatte hier im Hotel einen Briten kennen gelernt und habe mit ihm zusammen diese Tour gemacht. Wir fuhren (nachdem wir die drei unbequemen Stunden im Bus hinter uns hatten), für 5 Stunden mit einem alten, klapperigen Touristenboot durch Halong Bay bis nach Cat Ba Island. Auf der Insel ging es dann per Motorrad (immer zwei Passagiere mit Gepäck + Fahrer!!) zum erstaunlich guten Hotel.
Den Abend verbrachten wir mit Backpackern aus der ganzen Welt. Sehr gut hat mir das "Outdoor-Billard" gefallen. Das waren zwei Billardtische über die einfach eine Zeltplane gespannt war. Dazu gab es Bia Hoi (lokal gebrautes Bier vom Zapfhahn), das man in Plastik-Wasserflaschen für wenige Dong bekam.
Unser Hotelzimmer hatte sogar einen Fernseher, der das lokale Programm zeigte. Eigentlich gab es rund um die Uhr immer so eine Art vietnamesische Seifenoper zu sehen. Man muss dabei aber immer daran denken, dass dies erstens ein asiatisches Land ist, wo es, vor allem in den Medien, sehr keusch zu geht. Da können die Darsteller im Film noch nicht einmal Händchen halten, ohne dass das ein echter faux pas wäre. Das Andere, was man bedenken muss, ist die Tatsache, das Vietnam ein kommunistisches Land ist, wo selbstverständlich die Fernsehsender dem Staat gehören. Es geht in den Filmen also immer um heroische Soldaten und mutige Kameradinnen und die ohnehin schon etwas dürftige Handlung wird immer wieder durch Gesangseinlagen der Hauptdarsteller unterbrochen. Da alles außerdem noch sehr schlecht synchronisiert ist (die Schauspieler können vermutlich einfach nicht singen), ergibt sich ein (für Fremde) recht groteskes Spektakel... Am nächsten Morgen ging es dann schon früh wieder zurück zum Boot und dann in Richtung Festland.
Alles in allem ein wunderschöner "Ausflug", der mit $16 auch noch wirklich günstig war...
Den gestrigen Tag verbrachte ich mit der Erkundung Hanois. Die Stadt gefällt mir immer besser. Sie ist eine wirklich interessante Mischung aus verschiedenen Stilen. Manche Straßen sind breite Boulevards die stark an Paris erinnern, manche Straßen sind so schmal, dass sie für Autos gesperrt sind. Autos sind (wie schon gesagt) ohnehin verhältnismäßig selten zu sehen. Die Straßen sind überfüllt mit Zweirädern die sich - ständig hupend oder klingelt - ihren Weg durch das Chaos suchen.
Ich habe das Armee-Museum besucht, was wirklich beeindruckend war. Weniger wegen der rostenden russischen Migs und den Resten abgeschossener amerikanischer Flugzeuge, sondern vielmehr wegen der so deutlichen Sprache der Ausstellungen. Zwar gibt es wieder eine Amerikanische Botschaft hier in Vietnam und die Beziehung zwischen den Ländern normalisiert sich so langsam, doch davon war in diesem Museum nichts zu spüren. Es ist Propaganda in ihrer besten Form, was man hier vorgesetzt bekommt. Man liest von dem "ausländischen Aggressor", den Nationalen Helden im Kampf gegen den "amerikanischen Terror" etc. Das alles ist natürlich völlig verständlich, man erschrickt aber doch kurz. Es ist überhaupt sehr interessant, einmal die andere Seite zu hören. Es gibt ja vermutlich nur Wenige, die den Vietnamkrieg (der hier Amerikanischer Krieg genannt wird) gut heißen, aber man ist doch trotzdem von der westlichen Berichterstattung beeinflusst. Hier bekommt man die ganze Sache eben aus der Sichtweise der anderen Seite erklärt. Auf jeden Fall sehr interessant!
Ich hatte außerdem vor, das Ho Chi Minh Museum so wie sein Mausoleum zu besuchen. Leider war Onkel Ho' (wie er hier gerne genannt wird) nicht zu Hause. Er ist wohl gerade für drei Monate in Russland, wo sein einbalsamierter Körper "renoviert" wird.
Jetzt werde ich noch den Tag hier in Hanoi verbringen und dann heute Abend mit dem Zug in Richtung Norden in die Berge fahren. Es sind zwar nur etwa 350 Kilometer, die Fahrt wird aber die ganze Nacht dauern, da die Züge hier nicht schneller als 50 km/h fahren...