Die letzten Stunden

28. März 2007 von Silvio

Nun ist es soweit, unsere letzten Stunden hier in Asien sind angebrochen und der Zeitpunkt des Abschieds rückt immer näher. Unser Hotelzimmer haben wir bereits verlassen und die letzten Stunden mit dem Besorgen der letzten Dinge verbracht. Gegen neun Uhr abends startet unser Bus zum Flughafen und nur wenige Zeit später werden wir dann in Richtung Europa, Richtung Heimat abheben.

Montag Morgen ging es von Battambang aus mit dem Taxi in Richtung thailändischer Grenze. Und die Beschaffung des Taxis und auch die Fahrt selbst waren wieder kleine Abenteuer. Am Taxistand angekommen stürzte sich sofort ein Rudel hungriger Taxifahrerwölfe auf uns und zerrten an uns um ihr Taxi voll zu kriegen. Nachdem wir uns auf einen Preis von drei Dollar pro Nase geeinigt hatten, durften wir dann noch fast eine Stunde mit dem Warten auf die weiteren Fahrgäste verbringen, denn es sollte ja auch wieder schön kuschelig auf der Rückbank werden. So setzten wir uns dann in Bewegung und erreichten nach zwei Stunden Fahrt über staubig-schotterige Buckelpisten die Grenze. Zu unserer eher kleinen Überraschung wollte der Fahrer dort dann 10 Dollar, was wir ihm aber so lange verweigert haben bis er sich nach langer Diskussion und unserem Abmarsch auch zurückgezogen hat. Der Grenzübergang gestaltete sich als zügig und komplikationslos, sodass wir unseren Zug nach Bangkok pünktlich erreicht haben. Und nach einem kurzen Mittagessen ging es dann für sechs Stunden durch die thailändischen Felder, welche wieder teilweise brannten und somit die Luft mit Rauch und Asche füllten. In Bangkok angekommen entschieden wir uns für ein kleines Guesthouse in der Nähe der berühmten Kao San Road. Die unfreundliche Bedienung dort und die Tatsache, dass wir keinen einzigen Baht in der Tasche hatten, ließen uns unsere Ankunft in der Hauptstadt eher in schlechter Erinnerung. Das ganze wurde noch verstärkt durch die Horden von verpeilten und zugekifften Backpackern die das Straßenbild der Kao San so deutlich prägen. Aber nachdem wir dann doch noch an Geld gekommen sind und jeder unser Bierchen in der Hand hatten sah die Welt schon wieder anders aus.
An unseren letzten zwei Tagen hier in Bangkok hat es die Wetterfee mit uns nochmal richtig gut gemeint und uns eine enorme Hitze mit strahlender Sonne beschert. Trotzdem haben wir uns in unseren Erkundungstouren nicht stoppen lassen und sind beide eifrig drauf los spaziert. Während Johannes gestern auf der Suche nach verschiedenen Märkten war, hab ich mich auf die Socken zum Königspalast gemacht. Glücklicherwiese musste ich unterwegs auf halber Strecke nach dem Weg fragen und wurde dabei darauf hingewiesen, dass man dort auf alle Fälle lange Hosen bräuchte. Für mich also die Gelegenheit den Heimweg schonmal zu üben und ein paar Meter mehr in der Mittagshitze zu verbringen. Aber der Weg hat sich auf alle Fälle gelohnt denn dieser große Komplex ist seinen Besuch allemal wert. Es befinden sich dort verschiedene Terrassen, auf denen allerhand religiöse und königliche Bauwerke stehen und mit ihren reichlich verzierten goldenen Dächern in der Sonne glänzen. Hauptattraktion ist sicher der Palast des Jadebuddhas, wahnsinnig aufwendig gestaltet mit Unmengen an Gold und Edelsteinen. Aber auch alle anderen Tempel und Paläste waren beeindruckend. Dieser Besuch der Palastanlage ist sicher ein Muss für jeden Bangkok-Besucher.

Nachdem wir hier also noch zwei tolle Tage hatten beginnt jetzt die Aufregung auf die Heimat und all die lieben Menschen dort noch stärker zu wachsen. So sind es nur noch wenige Stunden bis dieses fast acht Wochen weilende Abenteuer sein Ende nimmt.

Markt in BattambangSpiegelbildFrühstückLastwagenBootFrüchteSonnenuntergangBattambangDie StreckeKönigspalast IUnser ZugKönigspalast IIIKönigspalast IIKönigspalast VKönigspalast IVKao San RoadKönigspalast VIBeim Lernen IDer StickermannAbendgymnastikBeim Lernen IIBananenpfannkuchenZum letzten Mal

Der letzte Zug in Kambodscha

25. März 2007 von Johannes

Freitag hatten wir unseren letzten Tag im CSC. Kaum zu glauben, wie schnell unsere Zeit hier verflogen ist. Man hat gerade so das Gefühl, dass man sich etwas auskennt, dass man sich wohl fühlt und schon ist es wieder Zeit zu gehen.
Da am Freitag ohne hin nicht sehr viel los war, konnten wir etwas früher gehen. Wir verabschiedeten uns von allen und fuhren zum Guesthouse um unsere Sachen zu packen. Am Abend trafen wir uns mit den anderen Studenten in deren Wohnung für ein leckeres Abschiedsessen und ein paar Biere. Nicht zu spät fuhren wir zurück zum Guesthouse, schließlich mussten wir am nächsten Morgen um 5 Uhr aufstehen.
Mit dem Tuktuk ging es um halb sechs zum Bahnhof. Unsere von Hand ausgestellten Tickets kosteten uns 22000 Riel (etwa €4) pro Nase, etwa das Doppelte, was die Einheimischen bezahlen.
Bequemer war der Zug deswegen nicht, aber das war ja auch nicht das Ziel der Aktion. Ich wollte von Anfang diesen Zug nehmen, egal in welche Richtung. Da er nur noch einmal pro Woche fährt (Samstags von Phnom Penh nach Battambang, Sonntag zurück) blieb uns nur der Samstag Morgen.
Der Zug ist alt und kaputt. Sehr kaputt. Die drei Passagierwaggons sind rostig und löchrig. Der hölzerne Boden hat viele Lücken, oft fehlen Bretter und man kann direkt bis auf die Schienen sehen. Die Sitze sind aus Holz und relativ unbequem. Viele Sitzbänke sind umgefallen und liegen einfach im Abteil herum. Die Fenster haben keine Scheiben, das Dach hat Löcher. Der Übergang von einem Wagen zum nächsten muss mit einem schnellen, beherzten Schritt gemacht werden, es gibt nur die Puffer, auf die man sich stellen könnte. Aber dies alles war uns vorher klar, wir haben keine besonders bequeme, dafür eine interessante und spannende Reise erwartet.
Irgendwann fährt der Zug los, vielleicht mit Schrittgeschwindigkeit fahren wir durch die Vororte von Phnom Penh. Unzählige ärmliche Hütten sind direkt an den Gleisen gebaut. Man kann den Menschen quasi direkt ins Wohnzimmer oder die Küche schauen. Um kurz vor sieben sind Alle schon wach, es wird Frühstück gekocht oder sich im Freien gewaschen.
Nach einer Weile ändert sich die Landschaft, wir haben Phnom Penh verlassen und mit einem Schlag erstrecken sich abgeerntete, trockene Reisfelder bis zum Horizont. Dazwischen immer wieder hohe Palmen und viele, viele Kühe.
Der Zug rumpelt mit vielleicht 20 km/h durch die Landschaft und schaukelt dabei fast wie ein kleines Boot hin und her. Nach einer Weile gewöhnt man sich an die Langsamkeit und das viele Knirschen und Knacken des Zuges. Die Kambodschaner kennen ihren Zug und die meisten von ihnen haben Hängematten mitgebracht, die sie an den verbleibenden Gepäckablagen festbinden. Es fahren in unserem Abteil die vier Schaffner und ein bewaffneter Polizist mit. Wozu man vier Schaffner in so einem kleinen Zug braucht erschließt sich mir nicht. Aber wahrscheinlich sind das die einzigen Schaffner in diesem Land und da es nur einen Zug pro Woche gibt, arbeiten eben alle in diesem Zug. Die meiste Zeit sitzen sie aber einfach nur da und spielen Karten.
Die Toiletten sind schon lange Vergangenheit, geblieben sind zerbrochenes Porzellan und ein fehlendes Fenster. Kein Problem für den männlichen Teil der Fahrgäste, man geht einfach im letzten Wagen zum rechten Ausgang und erledigt sein Geschäft durch die Tür ins Freie. Für die Frauen und für diejenigen, die befürchten bei dem Geruckel und Gewackel aus dem Zug zu fallen gibt es nur eine Möglichkeit: Wenig trinken und hoffen, dass der Tag schnell zu Ende geht.
Irgendwann gegen Mittag fängt es an zu regnen. Zuerst ein angenehmer Landregen, doch bald gießt es so vom Himmel, dass man nicht mehr weit sehen kann. Da es ja, wie schon erwähnt, keine Fensterscheiben gibt und auch das Dach nicht mehr dicht ist, bleiben nur wenige Flecken im inneren der Wagen um dem Wasser zu entgehen. Die Zugfahrt fängt an weniger Spaß zu machen. Wir sind jetzt schon gut acht Stunden unterwegs und haben vielleicht etwas mehr als die Hälfte der Strecke hinter uns. Einer der Schaffner fragt uns, wohin wir wollen. Auf die Antwort “Battambang” zieht er die Augenbrauen hoch und erklärt uns, dass dies eine sehr lange Reise sei. Manchmal, so sagt er, komme der Zug erst um 2 Uhr am nächsten Morgen an! Ich kann das nicht so recht glauben, in Pursat sollen wir so gegen 15 Uhr ankommen, das sind vielleicht zwei Drittel der Strecke. Auf dem letzten Drittel der Strecke seien die Gleise aber derartig schlecht, dass es im langsamen Schritttempo weiter ginge und der Zug oft stehen bleiben müsste, weil die die Hitze die Gleise verbogen hat, erzählt der Schaffner.
Nach einigem Nachdenken, beschließen wir, den Zug in Pursat zu verlassen. Neun Stunde Fahrt sind genug, um mein Bedürfnis nach kambodschanischen Zügen zu befriedigen. In Pursat buchen wir zwei Plätze in einem Taxi und sind 90 Minuten später in Battambang, etwa acht Stunden vor dem Zug.

5:51 UhrBeoung KakPassagierwagonHüttenBlick nach hintenSchlafwagenBlick nach vornePassagiereOffener WagenTrainspottingBambuszugTrockene FelderHängematteBeschäftigungSilvioSilvioRegenNasse FelderDie StreckeLandlebenÜbergangAnkunft in PursatDer Zug

die letzten Tage

20. März 2007 von Silvio

Nachdem wie die letzte Woche außerhalb von Phnom Penh verbracht haben, stand nun unser letztes Wochenende hier an. So nutzten wir es auch dementsprechend um nochmal möglichst viele Eindrücke zu sammeln. Samstag entschlossen wir uns, den königlichen Palast zu besichtigen und sind dementsprechend motiviert dorthin gefahren um vor Ort festzustellen, dass wir uns noch zwei Stunden in der Mittagshitze gedulden  müssen bis die Anlage um 14 Uhr wieder geöffnet wird. Nachdem wir diese Zeit dann erfolgreich mit Eiskaffee und Cola totgeschlagen haben ging es also in den besagten Palast. Sehr viel bekam man von den königlichen Residenz leider nicht zu sehen, aber trotzdem erhaschten unsere Augen zahlreiche Pagoden und Tempel inklusive der Silberpagode. Dabei handelt es sich um einen Tempel, der mit ca. 5000 Silbertafeln ausgekleidet ist ( die unter belgischen Teppichen geschickt versteckt werden). Außerdem befindet sich in dieser Pagode ein Buddha aus Jade und einer aus 90 Kilogramm Gold, besetzt mit unzähligen Diamanten. So gab es also jede Menge zum Bestaunen.

Den Sonntagvormittag hab ich genutzt um die Killing Fields vor den Stadtgrenzen Phnom Penhs zu besuchen. Dabei handelt es sich um die Massengräber aus den Zeiten des Khmer Rouge-Regimes. Es war ein sehr seltsames Gefühl zwischen all den ausgehobenen Gräbern zu laufen und dabei den Vögeln beim Zwitschern zuzuhören. Wäre man sich nicht der schrecklichen Geschichte dieses Ortes bewusst, könnte man ihn fast für beschaulich halten. Ein Großteil der zwischen 1.5 und 3 Millionen Menschen, die den Roten Khmer zum Opfer fielen, wurden hier auf bestialische Weise umgebracht. So gibt es zum Beispiel einen großen Baum, an dem besonders sadistische Soldaten kleine Kinder erschlagen haben. Auch wurden die Leute einfach vor die großen Gruben gepackt und dann erschlagen, um Munition zu sparen. Nach dem Regimeende und der Entdeckung der Massengräber wurde eine große Stupa errichtet, in der geordnet nach Alter und Geschlecht zahllose Schädel bis unter das Dach gestapelt sind. Es war insgesamt ein bedrückender Besuch welcher das unendliche Leid, das dem Volk hier wiederfahren ist, in voller Kraft präsentierte.

Den Nachmittag haben wir dann ein weiteres Mal in dem großen Russenmarkt verbracht um uns auf die Suche nach dem ein oder anderen Schmuckstück zu machen. Zufälligerweise trafen wir dort auch unser Ärzteteam aus Kampong Cham und konnten so mit ihnen noch ein letztes kühles Bierchen genießen. Gestern Abend wurden wir von Dr. Jim und seinem Team anlässlich zweier Geburtstage zu einer gemütlichen Bootstour auf dem Tonle Sap mit einem leckeren Buffet und vielen kühlen und schmackhaften Getränken eingeladen. Es war sehr interessant dort die verschiedensten Nationalitäten (Australier, Amerikaner, Franzosen, Engländer, Schweden, Malayen, wir Deutschen und natürlich die Kambodschaner) und ihre Geschichte zu sehen und zu hören. Insgesamt also ein sehr gelungener Abend den wir anschließend noch in einer Bar an der Riverside ausklingen ließen. Nun trudeln unsere letzten drei Tage im Childrens Surgical Centre an, bevor es am Samstag so langsam aber sicher wieder in Richtung Thailand und der Heimat geht.

Alte VillaDie ÄrzteElefant IElefant IISeideKilling Fields VIIIUnterwegsKilling Fields IIIKilling Fields IIKilling Fields IKilling Fields VKilling Fields IVKilling Fields VIIKilling Fields VIKönigspalast IIIKönigspalast IIKönigspalast IVergnügungsparkMekongFrühstück

Kampong Cham

17. März 2007 von Johannes

Die letzte Woche verbrachten wir nicht in Phnom Penh, sondern in Kampong Cham, zusammen mit einer Gruppe von Ärzten einer deutschen Hilfsorganisation. Kampong Cham hat irgendwo zwischen 50 000 und 180 000 Einwohnern und befindet sich etwa 130km nordöstlich der Hauptstadt. Unser erster Eindruck, nachdem wir aus dem Bus gestiegen waren, war der einer recht gemütlichen, überschaubaren mittelgroßen Stadt.
Im Hotel trafen wir uns wie vereinbart mit der Gruppe deutscher und französischer Ärzte. Diese Gruppe kommt zweimal pro Jahr hierher um im lokalen Krankenhaus für zwei Wochen Gaumen- und Lippenspalten und andere komplizierte Operationen durchzuführen und dabei auch den Ärzten vor Ort neue Fähigkeiten beizubringen.
Ich war besonders gespannt auf diese Woche, da ich für mich ja durchaus eine Zukunft in Richtung Entwicklungshilfe oder zumindest für eine Weile Arbeit in einem Entwicklungsland sehe. Ich wollte sehen, wie ein solcher Einsatz einer ausländischen Hilfsorganisation von innen aussieht.
Am Montag morgen wurden als erstes die Patienten für die Woche ausgesucht. Es hatte vorher Aufrufe im Radio gegeben und dementsprechend waren viele Leute aufgetaucht, die sich kostenlos von den europäischen Ärzten behandeln lassen wollten. Es gab einige Fälle, die sich sehr gut anboten, von dem Team operiert zu werden, aber auch viele Kleinigkeiten, die genauso von den hiesigen Ärzten behandelt werden könnten. Trotzdem wurden viele dieser Patienten mit kleinen Lipomen oder Atheromen aufgenommen, um die Lücken zwischen den großen OPs zu füllen. Das kam mir schon etwas seltsam vor: Warum fliegt man für € 10000 eine Gruppe von Spezialisten nach Kambodscha, die dann am Ende “Wald-und-Wiesen-Chirurgie” betreiben, die genauso gut und für den Bruchteil der Kosten von kambodschanischen Ärzten erledigt werden könnte?
Aber es waren auch viele Patienten dabei, die wirklich von den eingeflogenen Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen profitieren konnten. Vor allem handelte es sich dabei um Kinder oder Erwachsene mit Lippen- und/oder Gaumenspalten.
Nach dem etwas chaotischen und langwierigen Auswählen der Patienten gab es nachmittags gleich die ersten drei Operationen, alles eher kleinere Dinge.
Die Ausstattung im Provinzkrankenhaus von Kampong Cham ist, auch verglichen mit dem CSC in Phnom Penh, ziemlich dürftig: Der OP-Tisch war altertümlich, bei den Lampen funktionierte nur die Hälfte der Lichter, für die Anästhesie gab es eine uralte (und defekte) Maschine und keinerlei Monitoring. Zum Glück war der französische Anästhesist ein alter Hase auf dem Gebiet und hatte seine Geräte teilweise selbst dabei. Trotzdem war es insgesamt viel mehr Handarbeit als in jedem deutschen OP unter etwas fragwürdigen hygienischen Bedingungen. Das Team tat aber sein Bestes, um halbwegs ordentliche Umstände herzustellen, um die Operationen durchführen zu können.
Für uns gab es das Problem, dass sich zwei ältere Professoren und ein junger Facharzt in der Gruppe befanden, so dass es für uns eigentlich recht wenig zu tun gab, da die alten Herren am liebsten Alles selbst gemacht hätten. Dank der Beschwerde von Seiten des Facharztes änderte sich das aber recht schnell, so dass er die Spalten und wir unter seiner Aufsicht die kleinen Operationen durchführen konnten und die Professoren sich etwas zurück hielten.
Der Arbeitstag ging immer mindestens bis 17 Uhr, danach wanderten wir etwas durch den Ort und trafen uns dann mit dem Rest der Gruppe zum Abendessen. Meistens bezahlte die Gruppe bzw. die Hilfsorganisation freundlicherweise unser Essen, was aber bei den hiesigen Preisen nicht sehr ins Gewicht gefallen sein dürfte. Nach dem Essen trafen wir uns meistens noch mit dem jüngeren Arzt, den Fahrern und dem Übersetzer und tranken noch ein Bierchen.
Insgesamt hat uns die Woche in Kampong Cham sehr viel Spaß gemacht und wir haben so Einiges gelernt. Es war wirklich sehr interessant, eine ausländische Hilfsorganisation beobachten zu können und auch zu sehen, was alles (in meinen Augen) besser oder anders gemacht werden könnte. Zum Beispiel finde ich, dass die Ausbildung der hiesigen Ärzte (auch wenn sich alle Mühe gaben) immer noch zu kurz kam. Eigentlich müsste ja das Hauptziel einer solchen Aktion die Bildung lokaler Strukturen sein, damit man hier nicht auf alle Ewigkeit von ausländischen Ärzteteams abhängig ist.
Mittlerweile sind wir wieder in Phnom Penh und um eine sehr spannende Erfahrung reicher. Nächste Woche werden wir nochmals im Childrens Surgical Center verbringen, bevor wir in einer Woche mit dem Zug in Richtung thailändischer Grenze fahren - falls es den Zug noch gibt, was wir morgen versuchen werden heraus zu finden.

Fritierte VogelspinnenOperation IIOperation IPatientenauswahlOperation XIIMekong-BrückeOperation XIFruitshake-Stand IIFruchtshake-StandAbendprogrammRollstuhlKrankenhausOperation IXOperation XOperationssaalOperation VIIIReisendeNachsorgeOperation VIIPatientenzimmerOperation VOperation VIOperation IIIOperation IV

Sirenengesang und Bier mit Eis

10. März 2007 von Johannes

Am Donnerstag hatte ich meinen ersten Arbeitstag, nachdem ich seit Anfang der Woche mit Fieber und, hm, Darmbeschwerden das Bett hüten musste. Am Anfang war ich noch etwas wackelig auf den Beinen, hatte ja eine Weile nichts mehr gegessen. Aber am Freitag fühlte ich mich wieder voll einsatzfähig.
Mittlerweile sind wir ja fünf Studenten im CSC, es wird also langsam etwas eng. Da aber Silvio die letzte Woche in der Augenheilkunde und ich nicht da war, ging es einigermaßen. Für nächste Woche werden wir versuchen, uns einer Gruppe deutscher Kieferchirurgen anzuschließen, die in Kampong Cham, etwa 2 Stunden von hier entfernt, operiert und einen Workshop veranstaltet. Leider hatte Dr. Jim (der Chef hier) zu spät diese Idee und schickte der Gruppe erst eine Email, als sie vermutlich Deutschland schon verlassen hatten. Jetzt sollen wir heute Abend einfach zu deren Hotel fahren und versuchen, sie davon zu überzeugen, uns morgen mitzunehmen. Ihr werdet bald erfahren, ob das so geklappt hat.

Wat PhnomAffeSonnenuntergang überm SeeMr LuckyDie StudentenIn ActionOperation: BananeAnästhesieZwei OPs gleichzeitigPatiententransportPatientenzimmerVor dem Krankenhaus

Für den Abend hatten wir uns mit Thomas aus Schweden verabredet. Wir wollten uns in einer Bar/Club namens “Pontoon” - oder so ähnlich - treffen. Wir haben es auch auf der Karte gefunden und wollten los. Unser Motorradfahrer nickte auch eifrig und machte den Eindruck, er wisse wo es hingeht. Auf der Fahrt wurde uns langsam klar, dass er überhaupt keine Ahnung hatte und außerdem bis unter die Ohren zugekifft war. Er bot uns ständig ein ganzes Arsenal an illegalen Substanzen an, bis wir uns schließlich, nach einigen Wendemanövern, vor dem gesuchten Laden befanden. Oder zumindest in der Nähe. Dachten wir.
Pontoon, das klang irgendwie nach Wasser und Boot. Und da war auch ein schwimmendes, nennen wir es mal “Tanzlokal” vor uns. Wir waren uns aber nicht sehr sicher, also gingen wir nach einigem Überlegen den wackeligen und löchrigen Steg entlang und gelangten ins Innere. Auf dem Weg kamen wir noch an vielen betrunkenen Gestalten vorbei, die sich über die Reling erleichterten, mussten uns durch Unmengen von “Taxigirls”, so der hiesige Namen für Prostituierte, schieben und fanden uns schließlich in einem scheußlich-kitschig eingerichteten, in buntes Dämmerlicht getauchten Raum mit vielen Plastiktischen, schwitzenden Menschen und einer runden Tanzfläche wieder.
Auf einer mit einem Plastiktannenbaum und blauen Lichtern dekorierten Bühne stand eine Sängerin, die sich in ein etwas zu kleines Kleid gezwängt hatte, das beinahe zu bersten drohte. Diese Sängerin sang in einer mal weinerlichen, mal fast kreischenden Stimme für unsere westlichen Ohren nicht sehr erfreuliche, kambodschanische Schlager. Die Musik wurde von einem Keyboard-Spieler und hin und wieder einem Saxophonisten beigesteuert. Dazu bewegten sich die Menschen auf der Tanzfläche auf eine sehr ruhige Art, immer Abstand voneinander haltend. Dazu wurden die Hände in “fernöstlicher” Manier gedreht und gewendet.
Nach ein paar Lieder wurde die Sängerin von einem Mann abgelöst, der in gleichem Ton weitersang. Die Lieder schienen sich nur sehr wenig voneinander zu unterscheiden, aber dem Publikum gefiel es.
Wir bestellten ein Bier, bekamen einen Krug davon hingestellt und zwei Gläser voller Eis. Sobald unsere Gläser weniger als ganz voll waren, kam eine etwas missmutig dreinblickende junge Dame im Tiger-Bier-Kostüm und füllte unsere Gläser wieder auf. Auch wurde uns regelmäßig Eis in die Gläser gelegt, von einem jungen Mann, der mit einer Kiste voller Eis herumlief.
Von vier jungen Frauen mit heller Hautfarbe abgesehen, waren wir die einzigen Ausländer in dieser Lokalität. Der Rest der Gäste bestand aus Kambodschaner jeglicher Altersgruppe, die sich köstlich zu amüsieren schienen.
Auch für uns war dieses bizarre Schauspiel Unterhaltung pur! Wen wir natürlich nicht fanden, war Thomas und seine schwedischen Freunde. Die befanden sich, wie wir später herausfanden, vermutlich garnicht so weit entfernt im richtigen “Pontoon” und wunderten sich vermutlich, wo wir blieben.
Nach etwa zwei Stunden hatten wir genug und machten uns auf in Richtung Guesthouse.

Den heutigen Tag verbrachten wir wieder auf verschiedenen Märkten und im Olympiastadion. Nein, hier in Phnom Penh fanden nie die olympischen Spiele statt, sie haben aber ein gleichnamiges Stadion. Hier konnte Silvio auch beim grandiosen Spiel von Orange-Braun Phnom Penh gegen FC Kampong Cham (oder so ähnlich) endlich ein paar Minuten kambodschanischen Fußball sehen. Das Spiel endete mit einem spektakulären 7:0 und wir konnten weiterziehen.
Wo wir uns morgen befinden werden, steht noch in den Sternen, bzw. hängt von unserem Verhandlungsgeschick mit der Delegation deutscher Kieferchirurgen ab.

TanzlokalTanzlokal IIOlympia-StadionOlympia-Stadion VOlympia-Stadion IIOlympia-Stadion IIIOlympia-Stadion IVRussenmarkt IIRussenmarktRussenmarkt IIIRussenmarkt VIRussenmarkt VRussenmarkt IVPMUA SchuheRussenmarkt VIIZigarettenZentralmarkt IIZentralmarkt

Die zweite Woche…

6. März 2007 von Silvio

…hat nun auch schon wieder zwei Tage weniger und so geht der Alltag im Krankenhaus seinen Gang. Seit gestern weilt ein weiterer Student, Thomas aus Schweden, und seit heute auch Liam aus England mit unter uns. Jetzt wird es aber ganz schön eng für uns werden, so dass einer von uns jeweils eine Woche in der Augenheilkunde verbringt.

Das Wochenende haben wir genutzt um einige der Sehenswürdigkeiten in Phnom Penh zu besuchen. So waren wir am Samstag im Tuol Sleng Museum, einer ehemaligen Schule die von Pol Pots Regime zur systematischen Folterung während des vierjährigen Grauens der Roten Khmer genutzt wurde. Es war sehr bedrückend, die im Originalzustand belassenen Zellen mit den Folterinstrumenten zu sehen und sich vorzustellen, wie hier über 17.000 Menschen brutal gequält und anschließend auf den Killing Fields ermordet wurden. Bei den Inhaftierten handelte es sich meist um scheinbar politische Gegner oder Leute aus den eigenen Reihen, die des Verrats beschuldigt wurden. Alle Leute die gebildet wirkten, sei es durch das Tragen einer Brille, helle Haut oder weiche Hände, wurden als Systemgegner bezichtigt. Auf zahlreichen Fototafeln konnte man die Gesichter der ehemals Inhaftierten anschauen und teilweise gab es kleine Geschichten der Angehörigen und aber auch ehemaliger Wärter zu lesen. Insgesamt war es ein sehr bewegender Besuch weil alles so sichtbar war und die ganze Geschichte geradeeinmal 30 Jahre zurückliegt.

Im Anschluss daran liefen wir zum Russenmarkt tiefer im Süden der Stadt, den wir aber leider erst im Abbau betreten konnten. So bekamen wir nur einen vagen Eindruck von der Vielfalt der dort angebotenen Sachen die von Farben und Lacken über Nahrungsmittel aller Art und Textilien bis hin zu Werkzeugen reichte. Nach dieser eher kleinen Einkaufstour genehmigten wir uns dann am Abend ein paar Bierchen zur Liveübertragung des Topspiels der englischen Fussballliga. Den nächsten Tag nutzten wir zum Besuch des Zentralmarktes, den wir unter der Woche leider nur kurz besichtigen konnten weil er bereits um 17 Uhr schließt. Diesmal waren wir aber eher da und konnten somit in die große Kuppel mit ihren krakenartigen Ausläufern gehen, wo sich eine Menge an Schmuck- und Uhrenständen befinden. Durch zahlreiche enge Gassen liefen wir vorbei an zahllosen Klamotten, Schuhen, Taschen, getrockneten Fischen, Obst und Gemüse, Haushaltswaren und und und…Unsere Ausbeute waren dann nach langem Handel zwei schöne breite Hängematten die uns zu Hause weiterhin Urlaubsgefühle bescheren sollen.
So vergehen die Tage hier wie im Fluge, besonders unter der Woche, wenn der geregelte Ablauf im Krankenhaus vorangeht.

Die letzten zwei Tage lag Johannes krank im Bett. Seit Sonntag Nacht heftig Fieber und Unwohlsein. Am Montag Abend sind wir dann zur SOS-Klinik gefahren, hauptsächlich um Malaria ausschließen zu lassen. Malaria war’s dann zum Glück nicht, dafür irgendeine virale Geschichte.

MarktMurphyMarkt IIIMarkt IIAuf dem Weg zur ArbeitBurger KingTuol Sleng IVTuol Sleng VTuol Sleng IITuol SlengRiversideMit MaskeOperation IOperation IIOperation TheaterOhne Maske