Sirenengesang und Bier mit Eis

Am Donnerstag hatte ich meinen ersten Arbeitstag, nachdem ich seit Anfang der Woche mit Fieber und, hm, Darmbeschwerden das Bett hüten musste. Am Anfang war ich noch etwas wackelig auf den Beinen, hatte ja eine Weile nichts mehr gegessen. Aber am Freitag fühlte ich mich wieder voll einsatzfähig.
Mittlerweile sind wir ja fünf Studenten im CSC, es wird also langsam etwas eng. Da aber Silvio die letzte Woche in der Augenheilkunde und ich nicht da war, ging es einigermaßen. Für nächste Woche werden wir versuchen, uns einer Gruppe deutscher Kieferchirurgen anzuschließen, die in Kampong Cham, etwa 2 Stunden von hier entfernt, operiert und einen Workshop veranstaltet. Leider hatte Dr. Jim (der Chef hier) zu spät diese Idee und schickte der Gruppe erst eine Email, als sie vermutlich Deutschland schon verlassen hatten. Jetzt sollen wir heute Abend einfach zu deren Hotel fahren und versuchen, sie davon zu überzeugen, uns morgen mitzunehmen. Ihr werdet bald erfahren, ob das so geklappt hat.

Wat PhnomAffeSonnenuntergang überm SeeMr LuckyDie StudentenIn ActionOperation: BananeAnästhesieZwei OPs gleichzeitigPatiententransportPatientenzimmerVor dem Krankenhaus

Für den Abend hatten wir uns mit Thomas aus Schweden verabredet. Wir wollten uns in einer Bar/Club namens “Pontoon” - oder so ähnlich - treffen. Wir haben es auch auf der Karte gefunden und wollten los. Unser Motorradfahrer nickte auch eifrig und machte den Eindruck, er wisse wo es hingeht. Auf der Fahrt wurde uns langsam klar, dass er überhaupt keine Ahnung hatte und außerdem bis unter die Ohren zugekifft war. Er bot uns ständig ein ganzes Arsenal an illegalen Substanzen an, bis wir uns schließlich, nach einigen Wendemanövern, vor dem gesuchten Laden befanden. Oder zumindest in der Nähe. Dachten wir.
Pontoon, das klang irgendwie nach Wasser und Boot. Und da war auch ein schwimmendes, nennen wir es mal “Tanzlokal” vor uns. Wir waren uns aber nicht sehr sicher, also gingen wir nach einigem Überlegen den wackeligen und löchrigen Steg entlang und gelangten ins Innere. Auf dem Weg kamen wir noch an vielen betrunkenen Gestalten vorbei, die sich über die Reling erleichterten, mussten uns durch Unmengen von “Taxigirls”, so der hiesige Namen für Prostituierte, schieben und fanden uns schließlich in einem scheußlich-kitschig eingerichteten, in buntes Dämmerlicht getauchten Raum mit vielen Plastiktischen, schwitzenden Menschen und einer runden Tanzfläche wieder.
Auf einer mit einem Plastiktannenbaum und blauen Lichtern dekorierten Bühne stand eine Sängerin, die sich in ein etwas zu kleines Kleid gezwängt hatte, das beinahe zu bersten drohte. Diese Sängerin sang in einer mal weinerlichen, mal fast kreischenden Stimme für unsere westlichen Ohren nicht sehr erfreuliche, kambodschanische Schlager. Die Musik wurde von einem Keyboard-Spieler und hin und wieder einem Saxophonisten beigesteuert. Dazu bewegten sich die Menschen auf der Tanzfläche auf eine sehr ruhige Art, immer Abstand voneinander haltend. Dazu wurden die Hände in “fernöstlicher” Manier gedreht und gewendet.
Nach ein paar Lieder wurde die Sängerin von einem Mann abgelöst, der in gleichem Ton weitersang. Die Lieder schienen sich nur sehr wenig voneinander zu unterscheiden, aber dem Publikum gefiel es.
Wir bestellten ein Bier, bekamen einen Krug davon hingestellt und zwei Gläser voller Eis. Sobald unsere Gläser weniger als ganz voll waren, kam eine etwas missmutig dreinblickende junge Dame im Tiger-Bier-Kostüm und füllte unsere Gläser wieder auf. Auch wurde uns regelmäßig Eis in die Gläser gelegt, von einem jungen Mann, der mit einer Kiste voller Eis herumlief.
Von vier jungen Frauen mit heller Hautfarbe abgesehen, waren wir die einzigen Ausländer in dieser Lokalität. Der Rest der Gäste bestand aus Kambodschaner jeglicher Altersgruppe, die sich köstlich zu amüsieren schienen.
Auch für uns war dieses bizarre Schauspiel Unterhaltung pur! Wen wir natürlich nicht fanden, war Thomas und seine schwedischen Freunde. Die befanden sich, wie wir später herausfanden, vermutlich garnicht so weit entfernt im richtigen “Pontoon” und wunderten sich vermutlich, wo wir blieben.
Nach etwa zwei Stunden hatten wir genug und machten uns auf in Richtung Guesthouse.

Den heutigen Tag verbrachten wir wieder auf verschiedenen Märkten und im Olympiastadion. Nein, hier in Phnom Penh fanden nie die olympischen Spiele statt, sie haben aber ein gleichnamiges Stadion. Hier konnte Silvio auch beim grandiosen Spiel von Orange-Braun Phnom Penh gegen FC Kampong Cham (oder so ähnlich) endlich ein paar Minuten kambodschanischen Fußball sehen. Das Spiel endete mit einem spektakulären 7:0 und wir konnten weiterziehen.
Wo wir uns morgen befinden werden, steht noch in den Sternen, bzw. hängt von unserem Verhandlungsgeschick mit der Delegation deutscher Kieferchirurgen ab.

TanzlokalTanzlokal IIOlympia-StadionOlympia-Stadion VOlympia-Stadion IIOlympia-Stadion IIIOlympia-Stadion IVRussenmarkt IIRussenmarktRussenmarkt IIIRussenmarkt VIRussenmarkt VRussenmarkt IVPMUA SchuheRussenmarkt VIIZigarettenZentralmarkt IIZentralmarkt

2 Reaktionen zu “Sirenengesang und Bier mit Eis”

  1. Tobi

    Hi Johannes,

    herzlichen Glückwunsch zur Gesundung. Bin selber grad auf dem Weg gemeinsam mit Amoxicillin gesund zu werden. Das Foto mit den Marlboros und dem Fuß ist spitze, ich habe sehr gelacht! Ob Du am Schluß wohl noch Platz hast mir echte PMUAs mitzubringen?
    Viel Spaß noch weiterhin,
    Tobias.

    P.S.: Postkarte ist schon lang da, die kam nach einer knappen Woche. Schneller als aus USA! Danke!

  2. Johannes

    Hi Tobias,
    habe mich extra nochmal nach PMUAs umgeschaut, leider scheint es die nur bis Größe 35 zu geben…

    Gruß,
    Johannes